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Was ist ein Gewerbegrundstück? Definition nach § 249 BewG

Was ist ein Gewerbegrundstück: abstrakte geometrische Darstellung eines Gebäudeblocks in Petrol und Sandtönen, ohne Text und ohne Personen
Was ist ein Gewerbegrundstück: abstrakte geometrische Darstellung eines Gebäudeblocks in Petrol und Sandtönen, ohne Text und ohne Personen (KI-generiertes Symbolbild)

Lesezeit rund 3 Minuten · Stand:

Ein Geschäftsgrundstück ist nach § 249 Abs. 1 Nr. 6 BewG ein Grundstück, das zu mehr als 80 Prozent der Wohn- und Nutzfläche betrieblichen oder öffentlichen Zwecken dient. Für die Grundsteuer B wird sein Wert im Sachwertverfahren nach §§ 258 bis 260 BewG ermittelt, mit Hauptfeststellung zum 1. Januar 2022, wirksam für das Berichtsjahr 2025.

Was ist ein Gewerbegrundstück nach dem Bewertungsgesetz? Der Gesetzestext kennt dieses Wort nicht, sondern spricht vom Geschäftsgrundstück – und legt damit fest, welches Verfahren das Finanzamt bei der Grundsteuer B anwendet.

Die wichtigsten Zahlen:

  • Schwelle Geschäftsgrundstück: mehr als 80 % betriebliche oder öffentliche Nutzfläche, § 249 Abs. 1 Nr. 6 BewG
  • Bewertungsverfahren: Sachwertverfahren, §§ 258 bis 260 BewG
  • Hauptfeststellung: 1. Januar 2022, wirksam ab Berichtsjahr 2025

Was ist ein Gewerbegrundstück nach dem Bewertungsgesetz?

§ 249 Abs. 1 Nr. 6 BewG spricht vom Geschäftsgrundstück: einem Grundstück, das zu mehr als 80 Prozent der Wohn- und Nutzfläche betrieblichen oder öffentlichen Zwecken dient und kein Teileigentum ist. Ein Bürogebäude, eine Werkshalle oder ein Ladenlokal fallen darunter. Die Grenze verläuft entlang der Fläche, nicht entlang von Ertrag oder Zahl der Nutzungseinheiten.

Wie grenzt sich das Geschäftsgrundstück vom gemischt genutzten Grundstück ab?

Liegt der betriebliche Flächenanteil zwischen 20 und 80 Prozent, ordnet § 249 Abs. 1 Nr. 7 BewG das Grundstück als gemischt genutztes Grundstück ein. Darunter bleibt es ein Wohngrundstück. Das Geschäftsgrundstück ist eine von vier Ausprägungen des Nichtwohngrundstücks. Maßgeblich ist die Fläche zum Bewertungsstichtag, nicht die Widmung im Grundbuch.

Welches Bewertungsverfahren gilt für ein Geschäftsgrundstück?

Nach § 250 Abs. 3 BewG wird sein Grundsteuerwert im Sachwertverfahren ermittelt, §§ 258 bis 260 BewG: Bodenwert plus Gebäudesachwert, multipliziert mit einer Wertzahl. Wohngrundstücke durchlaufen stattdessen das Ertragswertverfahren, §§ 252 bis 257 BewG.

Grundstücksarten nach § 249 BewG und ihr Bewertungsverfahren
Grundstücksart Verfahren Rechtsgrundlage
Einfamilienhaus, Zweifamilienhaus Ertragswertverfahren §§ 252–257 BewG
Mietwohngrundstück, Wohnungseigentum Ertragswertverfahren §§ 252–257 BewG
Geschäftsgrundstück Sachwertverfahren §§ 258–260 BewG
Gemischt genutztes Grundstück, Teileigentum, sonstiges bebautes Grundstück Sachwertverfahren §§ 258–260 BewG

Was bedeutet die Einordnung für die Grundsteuer B?

Der Grundsteuerwert wird mit der Steuermesszahl und dem örtlichen Hebesatz der Grundsteuer B multipliziert. In Köln (Nordrhein-Westfalen, AGS 05315000) lag dieser Hebesatz im Berichtsjahr 2024 bei 515 %; jede Gemeinde weist hebesatzatlas.de einzeln aus, der Grundsteuer-Rechner macht seine Wirkung überschlägig sichtbar. Die Systematik gilt für das Bundesmodell; Länder mit eigenem Landesmodell grenzen Nutzungsarten teils abweichend ab.

Eigendaten von hebesatzatlas.de: 10.734 der 10.789 geführten Gemeinden weisen einen Grundsteuer-B-Hebesatz aus, Bundesmedian 400 % (Berichtsjahr 2024, Stand 22. September 2026). Er wirkt erst nach der Sachwert-Bewertung – die Bewertung selbst kennt keinen kommunalen Hebesatz.

Häufige Fragen zum Geschäftsgrundstück

Gilt die 80-Prozent-Grenze bundeseinheitlich?
Nein, sie gilt im Bundesmodell. Länder mit eigenem Landesmodell, etwa Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg, Hessen und Niedersachsen, grenzen Nutzungsarten nach eigenen Landesgesetzen ab.

Wer stellt den Grundsteuerwert für ein Geschäftsgrundstück fest?
Das Finanzamt am Ort des Grundstücks, mit einem Grundlagenbescheid für den nachfolgenden Grundsteuermessbescheid.

Zählt eine vermietete Arztpraxis als Geschäftsgrundstück?
Ja, sofern die betriebliche Nutzfläche mehr als 80 Prozent der Gesamtfläche ausmacht.

Rechtsgrundlagen und Datenquellen zu dieser Seite
Quelle Dokument Stand Abgerufen
Bundesministerium der Justiz § 249 BewG geltende Fassung 22. September 2026
Bundesministerium der Justiz § 250 BewG geltende Fassung 22. September 2026
Bundesministerium der Finanzen Amtliches Handbuch GrStH 2022/2025, A 249.7 2022/2025 22. September 2026

Diese Seite ersetzt keine steuerliche Beratung. Für die Einordnung im Einzelfall ist das zuständige Finanzamt zuständig, bei Fragen zur Feststellungserklärung ein steuerlicher Berater.

Maik Möhring, Redaktion hebesatzatlas.de. Kein Steuerberater. Methodik: hebesatzatlas.de/methodik/.