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Gewerbesteuer-Hebesatz: Werte, Berechnung, Fundstellen

Lesezeit: 5 Minuten · Stand:

Der Gewerbesteuer-Hebesatz wird von jeder Gemeinde selbst festgesetzt und auf den Steuermessbetrag angewandt. Für das Berichtsjahr 2022 liegt der Bundesmedian über 10.785 Gemeinden bei 365 %. Die Spannweite reicht von 200 % bis 650 %, zwischen den Bundesländern liegen 150 Prozentpunkte.

Zum Gewerbesteuer-Rechner — Gewerbeertrag eintragen, Hebesatz wählen, Messbetrag und Steuer nachrechnen.

Die wichtigsten Zahlen

  • Bundesmedian 365 %, Berichtsjahr 2022, über 10.785 Gemeinden
  • Niedrigster Wert 200 % in Langenwolschendorf, Thüringen
  • Höchster Wert 650 % in Inden, Nordrhein-Westfalen
  • Landesmediane zwischen 320 % in Brandenburg und 470 % in Hamburg
  • Mindesthebesatz 200 % nach § 16 Abs. 4 GewStG

Was der Hebesatz der Gewerbesteuer bewirkt

Die Gewerbesteuer entsteht in zwei Stufen. Das Finanzamt setzt aus dem Gewerbeertrag den Steuermessbetrag fest, indem es nach dem Freibetrag die Steuermesszahl von 3,5 Prozent anwendet. Die Gemeinde wendet darauf ihren Hebesatz nach § 16 GewStG an und erlässt den Steuerbescheid. Der Hebesatz wirkt also nicht auf den Gewinn, sondern auf den Messbetrag.

Gemeinden setzen ihren Hebesatz durch Satzung fest. Nach § 16 Abs. 4 GewStG darf er 200 % nicht unterschreiten. Nach oben gibt es keine gesetzliche Grenze; der höchste im Berichtsjahr 2022 erfasste Wert lag bei 650 %.

Wie weit die Hebesätze auseinanderliegen

Median des Gewerbesteuer-Hebesatzes je Bundesland, Berichtsjahr 2022
Bundesland Gemeinden Median Zum Bundesmedian
Brandenburg 412 320 % −45 Prozentpunkte
Bayern 2.056 340 % −25 Prozentpunkte
Baden-Württemberg 1.101 350 % −15 Prozentpunkte
Mecklenburg-Vorpommern 726 365 % 0 Prozentpunkte
Niedersachsen 941 380 % +15 Prozentpunkte
Sachsen 419 400 % +35 Prozentpunkte
Nordrhein-Westfalen 396 448 % +83 Prozentpunkte
Hamburg 1 470 % +105 Prozentpunkte

Die vollständige Reihe aller sechzehn Länder folgt mit der bundesweiten Rangliste. Nordrhein-Westfalen hat dabei zugleich den höchsten Landesmedian und die größte Spannweite: von 250 % in Leverkusen bis 650 % in Inden liegen 400 Prozentpunkte.

Warum ein niedriger Hebesatz keine niedrige Steuer garantiert

Der Hebesatz gilt dort, wo eine Betriebsstätte unterhalten wird, nicht dort, wo die Firma eingetragen ist. Bestehen Betriebsstätten in mehreren Gemeinden, wird der Steuermessbetrag nach den §§ 28 ff. GewStG zerlegt und auf diese Gemeinden verteilt, in der Regel nach dem Verhältnis der Arbeitslöhne. Damit greifen mehrere Hebesätze gleichzeitig, und der Satz am Sitz allein sagt wenig aus.

hebesatzatlas.de zeigt die Unterschiede und ordnet sie ein. Eine Empfehlung, den Sitz zu verlegen, spricht die Seite nicht aus; das ist eine Frage des Einzelfalls und gehört zum steuerlichen Berater.

Welche Angaben zu jedem Hebesatz gehören

Eine Zahl ohne Zeitbezug ist keine Angabe. Auf hebesatzatlas.de trägt jeder Hebesatz seine Steuerart, sein Berichtsjahr oder seinen Gebietsstand, die amtliche Fundstelle und das Abrufdatum. Weicht die geltende Hebesatzsatzung von der Statistik ab, gilt die Satzung, und die Abweichung wird ausgewiesen. Die Regeln dazu stehen unter Methodik, wer sie verantwortet unter Redaktion.

Häufige Fragen zum Gewerbesteuer-Hebesatz

Wie hoch ist der Gewerbesteuer-Hebesatz im Durchschnitt?
Der Median lag im Berichtsjahr 2022 bei 365 % über 10.785 Gemeinden. Angegeben wird der Median und nicht das arithmetische Mittel, weil einzelne sehr hohe Sätze das Mittel verzerren.

Gibt es einen Mindesthebesatz?
Ja. Nach § 16 Abs. 4 GewStG darf der Hebesatz 200 % nicht unterschreiten. Eine Obergrenze sieht das Gesetz nicht vor.

Wer legt den Hebesatz fest?
Die Gemeinde durch Satzung. Für den Steuermessbetrag ist dagegen das Finanzamt zuständig.

Wie oft ändern sich die Hebesätze?
Unterschiedlich. In Sachsen haben zwischen dem Berichtsjahr 2022 und dem Gebietsstand 1. Januar 2026 insgesamt 44 von 417 Gemeinden ihren Gewerbesteuer-Hebesatz geändert, also rund elf Prozent in vier Jahren.

Quellen

Belege für die auf dieser Seite genannten Zahlen
Quelle Dokument Stand Abgerufen
Statistische Ämter des Bundes und der Länder Hebesätze der Realsteuern in Deutschland Berichtsjahr 2022 9. September 2026
Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen Hebesätze der Gemeinden Gebietsstand 1. Januar 2026 9. September 2026
Bundesministerium der Justiz § 16 GewStG, § 28 GewStG geltende Fassung 10. September 2026

Stand dieser Seite: 10. September 2026. Hebesätze werden unterjährig durch Satzung geändert; maßgeblich ist die geltende Hebesatzsatzung der jeweiligen Gemeinde. Datenquelle: Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Datenlizenz Deutschland Namensnennung 2.0.

Maik Möhring
Betreiber von hebesatzatlas.de. Kein Steuerberater. Diese Seite gibt festgesetzte Hebesätze und die Rechtslage mit Fundstelle wieder.