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Gewerbesteuerkürzung: was § 9 GewStG vom Gewerbeertrag abzieht

Kürzung: abstrakte Darstellung sich überlagernder Rasterfelder in Petrol und Ocker, ohne Text, ohne Personen
Kürzung: abstrakte Darstellung sich überlagernder Rasterfelder in Petrol und Ocker, ohne Text, ohne Personen (KI-generiertes Symbolbild)

Glossareintrag · Stand:

Kurz erklärt

Die Kürzung nach § 9 GewStG – auch Gewerbesteuerkürzung genannt – vermindert den Gewerbeertrag und ergänzt die Hinzurechnung nach § 8 GewStG. Praktisch wichtigste ist die Kürzung für Grundbesitz nach § 9 Nr. 1 GewStG, seit dem Erhebungszeitraum 2025 in Höhe der als Betriebsausgabe erfassten Grundsteuer, davor pauschal 1,2 Prozent des Einheitswerts. So wird derselbe Grundbesitz nicht zugleich mit Grundsteuer und Gewerbesteuer belastet.

Die wichtigsten Punkte

  • Grundbesitz ab 2025: gebuchte Grundsteuer, § 9 Nr. 1 Satz 1 GewStG
  • Bis Erhebungszeitraum 2024: 1,2 Prozent des Einheitswerts
  • Voraussetzung: der Grundbesitz ist nicht von der Grundsteuer befreit
  • Erweiterte Kürzung für reine Grundstücksunternehmen, § 9 Nr. 1 Satz 2 GewStG
  • Gewinnanteile aus Personengesellschaften, § 9 Nr. 2 GewStG
  • Ausländische Betriebsstätten, § 9 Nr. 3 GewStG

Warum es die Gewerbesteuerkürzung für Grundbesitz gibt

Ein betrieblich genutztes Grundstück trägt bereits Grundsteuer. Ohne Ausgleich würde derselbe Vermögensgegenstand ein zweites Mal belastet, weil sein Ertrag in den Gewerbeertrag einfließt. § 9 Nr. 1 Satz 1 GewStG löst das durch eine Kürzung. Bis zum Erhebungszeitraum 2024 wurde der Gewerbeertrag pauschal um 1,2 Prozent des Einheitswerts vermindert. Mit dem Jahressteuergesetz 2024 hat der Gesetzgeber die Bemessung ab dem Erhebungszeitraum 2025 umgestellt: Gekürzt wird um die im Erhebungszeitraum als Betriebsausgabe erfasste Grundsteuer für den zum Betriebsvermögen gehörenden Grundbesitz.

Die Umstellung hat eine Folge, die für Hebesätze unmittelbar wichtig ist. Bis 2024 spielte die tatsächlich gezahlte Grundsteuer keine Rolle, die Kürzung hing allein am Einheitswert. Seit 2025 ist es umgekehrt: Die Kürzung entspricht der gebuchten Grundsteuer, und die hängt am Grundsteuer-Hebesatz der Gemeinde. Ein höherer Satz erhöht damit auch die Kürzung bei der Gewerbesteuer. Der Grund für die Neufassung liegt in den abweichenden Grundsteuermodellen der Länder, die keinen einheitlichen Grundsteuerwert kennen. Welche Hebesätze wo gelten, steht im Silo Grundsteuer.

Wann die erweiterte Kürzung greift

Neben der allgemeinen Gewerbesteuerkürzung für Grundbesitz sieht § 9 Nr. 1 Satz 2 GewStG für Unternehmen, die ausschließlich eigenen Grundbesitz oder neben eigenem Grundbesitz eigenes Kapitalvermögen verwalten und nutzen, eine weitergehende Regelung vor: Auf Antrag wird der Teil des Gewerbeertrags gekürzt, der auf die Verwaltung und Nutzung des eigenen Grundbesitzes entfällt. Erfasst sind daneben die Betreuung von Wohnungsbauten sowie die Errichtung und Veräußerung von Einfamilienhäusern, Zweifamilienhäusern und Eigentumswohnungen im Sinne des Wohnungseigentumsgesetzes.

Das Wort „ausschließlich“ trägt die Vorschrift: Schon eine geringfügige andere Tätigkeit kann die erweiterte Kürzung insgesamt entfallen lassen. § 9 Nr. 1 Satz 3 GewStG lässt davon drei Ausnahmen zu und setzt für zwei davon feste Grenzen.

Unschädliche Nebentätigkeiten nach § 9 Nr. 1 Satz 3 GewStG
Buchstabe Tätigkeit Grenze
a Errichtung und Veräußerung von Teileigentum in Verbindung mit Eigentumswohnungen Das Gebäude muss zu mehr als 66 2/3 Prozent Wohnzwecken dienen
b Lieferung von Strom aus Anlagen für erneuerbare Energien oder aus Ladestationen für Elektrofahrzeuge und Elektrofahrräder Höchstens 20 Prozent der Einnahmen aus der Gebrauchsüberlassung des Grundbesitzes; Strom aus erneuerbaren Energien nicht an Letztverbraucher, es sei denn, diese sind Mieter
c Einnahmen aus unmittelbaren Vertragsbeziehungen mit den Mietern aus anderen Tätigkeiten Höchstens 5 Prozent der Einnahmen aus der Gebrauchsüberlassung des Grundbesitzes

Kommt eine solche Tätigkeit hinzu, verlangt § 9 Nr. 1 Satz 4 GewStG zusätzlich, dass der Gewinn aus der Verwaltung und Nutzung des eigenen Grundbesitzes gesondert ermittelt wird. Die erweiterte Kürzung wirkt nur auf Antrag; ob sie im Einzelfall in Betracht kommt, gehört in die Hand des steuerlichen Beraters.

Welche weiteren Tatbestände es gibt

§ 9 GewStG nennt mehrere Fälle, die alle demselben Zweck dienen: eine Doppelbelastung zu vermeiden oder Erträge auszunehmen, die nicht zum inländischen Gewerbebetrieb gehören. Dazu zählen Gewinnanteile aus der Beteiligung an einer gewerblichen Personengesellschaft nach Nr. 2, Gewinne ausländischer Betriebsstätten nach Nr. 3 und Ausschüttungen aus qualifizierten Beteiligungen an Kapitalgesellschaften nach Nr. 2a.

Zusammen mit den Zuschlägen aus § 8 GewStG ergibt sich daraus der Gewerbeertrag, aus dem das Finanzamt den Steuermessbetrag ermittelt. Eigene Werte lassen sich im Gewerbesteuer-Rechner einsetzen.

Häufige Fragen zum Begriff Gewerbesteuerkürzung

Was ist eine Gewerbesteuerkürzung?
Ein gebräuchlicher Sammelbegriff für die Kürzungen nach § 9 GewStG, die den Gewerbeertrag vor der Ermittlung des Steuermessbetrags vermindern — praktisch am häufigsten die Kürzung für Grundbesitz nach § 9 Nr. 1 GewStG.

Wird die gezahlte Grundsteuer abgezogen?
Ab dem Erhebungszeitraum 2025 ja: Gekürzt wird um die als Betriebsausgabe erfasste Grundsteuer. Bis 2024 galten pauschal 1,2 Prozent des Einheitswerts, unabhängig vom Hebesatz.

Gilt die Kürzung auch für gemietete Flächen?
Nein. Erfasst ist nur Grundbesitz, der zum Betriebsvermögen gehört. Mieten werden stattdessen nach § 8 Nr. 1 GewStG anteilig hinzugerechnet.

Was ist die erweiterte Kürzung?
Eine Sonderregelung nach § 9 Nr. 1 Satz 2 GewStG für Unternehmen, die ausschließlich eigenen Grundbesitz verwalten. Sie wirkt nur auf Antrag und unter engen Voraussetzungen.

Quellen

Rechtsgrundlagen zu diesem Eintrag
Quelle Dokument Stand Abgerufen
Bundesministerium der Justiz § 9 GewStG geltende Fassung 29. September 2026
Bundesministerium der Justiz § 8 GewStG geltende Fassung 27. September 2026
Bundesministerium der Justiz § 25 GrStG geltende Fassung 27. September 2026
hebesatzatlas.de Eigene Auswertung des Realsteuervergleichs Berichtsjahr 2024 27. September 2026

hebesatzatlas.de gibt die Rechtslage mit Fundstelle wieder und erteilt keine steuerliche Beratung. Welche Posten im Einzelfall anzusetzen sind, gehört zum steuerlichen Berater. Weitere Begriffe im Glossar, die Quellenregeln unter Methodik.

Maik Möhring
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